Ideas Online

Florian Bailey über Social, User und Online Strategie

Archive for the ‘#ptfjib80’ tag

Write and build for humans

keine Kommentare

…companies so lobotomized that they can’t speak in a recognizably human voice build sites that smell like death.

The Live Web

Share/Teilen

Geschrieben von Florian

26. September 2008 um 19:30

Usability Review und User Experience Review – die eigene Internetseite bewerten

5 Kommentare

Eigene Projekte zu bewerten ist schwer. Man gewöhnt sich an Gestaltungs- und Textfehler und findet die eigenartigsten Dinge logisch und verständlich.

Ein externes Review und Test ist meistens nötig aber manchmal nicht möglich.

Fragen, die helfen können:

Sind Bezeichnungen, Claims, Buttons und Texte verständlich?

Jemanden anrufen, alle Texte vorlesen und fragen.
Es gibt drei mögliche Reaktionen:
– sofort verstanden
– gar nicht verstanden
– versteht es, zögert aber einen Moment

In beiden negativen Fällen sollte man den Text komplett Überarbeiten. Ein echter User ist immer kritischer als ein Bekannter.

klingelton.png

Es lohnt sich auch bestimmte Begriffe mit der Anzahl an Suchanfragen abzugleichen. Ein Kunde hatte “Klingelton senden” als Button, auf Google wurde aber nur nach “Klingelton downloaden” gesucht.

Sind die Kernprozesse benutzbar?

Bei Flickr ist dies der Upload oder das Kommentieren eines Fotos.
Den gesamten Prozess durchgehen und bei jedem Klick fragen

-Was ist der nächste Schritt fÜr den Nutzer, ist dieser klar gekennzeichnet?
-Weiss der Nutzer, wo er gerade ist, bzw. wieviele Schritte der Prozess umfasst (2von3)?
-Wird dem Nutzer mehr gezeigt als er eigentlich braucht, kann man Elemente vereinfachen?

Wenn alles auffällig ist, fällt nichts auf.

Marketingverantwortliche stehen vor dem Problem, dass sie viele Dinge anteasern mÜssen, z.B. sollte jedes Produkt auf der Startseite sein.

Swindon Roundabout
Swindon Roundabout – viele Optionen = keine Klarheit

Das visuelle Problem ist, dass jedes weitere Element alle bisherigen Elemente abwertet.

Wenn ich Hilfe brauche und drei Navigationselemente habe „Über uns, Produkte, Service“ ist die Differenzierung einfach, bei drei konkurrierenden Elementen „Über uns, Produkte, Service, Dienstleistungen, Kontakt“ ist die Chance des Users das richtige Element zu finden deutlich gesunken.

Apple klar
Klar was gerade wichtig ist und von Apple in den Vordergrund gestellt werden soll?

Apple unklar
Immer noch klar?

Ist die Kernaussage der Seite klar? Weiss der Nutzer, worum es geht und was er als nächstes tun kann?

Usability Test Blur
Ein gutes Beispiel von Quillp. Obwohl ich den Screenshot deutlich verkleinert habe und einen Blur Filter drÜber gelegt habe, ist immer noch die Grundstruktur, der Claim „FÜr alle die BÜcher lieben“ und der “Mitmachen” Button erkennbar.

Ein simpler Blur Filter oder 3 Meter Abstand vom Bildschirm sind die schnellsten Möglichkeiten die eigene Struktur zu ÜberprÜfen.

Gibt es Feedback Möglichkeiten an kritischen Stellen?

Mehr Sinn als Umfragen mit 20 Fragen, macht es meistens den Usern an kritischen Interaktionspunkten Fragen zu stellen, z.B. nach dem Bestellprozess.

Warum meldest du dich ab
Ein Beispiel bei einem Kunden war die simple Frage: „Warum meldest du dich ab?“.
Aus den Antworten ergab sich ein Fehler im Newslettersystem, User bekamen 10 Emails in der Woche und ein prinzipielles Credibility Problem, die User bzw. die Eltern der User trauten der Seite einfach nicht


Abstand gewinnen – andere Seiten betrachten

Wenn ich ein Expert Review fÜr Kunden mache, werde ich jedesmal wieder in den mentalen „Bewertungsmodus“ zurÜckgeworfen. Das erste, was ich danach mache, ist meine eigenen Projekte anzusehen. In dem Moment bin ich distanziert genug um Probleme wieder zu erkennen.

Das kann man forcieren, indem man die Internetseiten der Konkurrenz nimmt und sie jeweils eine Stunde bearbeitet und sich Notizen macht, was man unklar und was man sehr gut gelöst findet. Danach mit der Notizenliste und der gleichen Einstellung durch die eigene Seite gehen.


Fokus nicht verlieren

Gute Usability dreht sich um den User, man darf sich selbst und seine Entscheidungen nicht zu ernst nehmen. Man arbeitet nicht fÜr sich. Man sollte die User als Personen ernst nehmen. Wer keine Wertschätzung fÜr User hat und der Meinung ist, dass “DAU” ein akzeptabler Begriff ist wird keine gute Seite produzieren.

Das Thema ist leider zu umfangreich um es in einen Artikel abzuschliessen. Ich werde es schrittweise ergänzen. Wichtig ist sich trotzdem Feedback von außen zu holen, Über Tests, Über Reviews, Über Meinungen, Über Feedback Über was auch immer… letztendlich ist man bei eigenen Projekten immer voreingenommen und betriebsblind.

Geschrieben von Florian

13. September 2008 um 17:42

Abgelegt in Usability

Tags:

Wikis und ihre Wirkung – Eine persönliche Geschichte

2 Kommentare

Anfang 2007 hatte ein Freund einen Unfall auf Gomera, bei dem er sich schwere Verletzungen der Halswirbelsäule zuzog. Er wurde in die Klinik auf der nächsten Insel geflogen und dort vorläufig versorgt. Er sollte sobald als möglich per Spezialflug in die nächste Spezialklinik in Deutschland gebracht werden. Leider hatte er aber keine RÜcktransportversicherung, die die Kosten von mehr als 20.000€ abgedeckt hätte.

Kein RÜcktransport

Bei einem normalen Urlauber wäre das ein schweres Versäumnis gewesen, aber bei dem Freund um den es hier geht war es verständlich, dass er die Versicherung nicht abgeschlossen hatte. Er lebte die Hälfte des Jahres (Sommer) in Deutschland und die andere Hälfte (Winter) auf Gomera, in den USA oder irgendwo anders. Das bedeutet natÜrlich, dass es nicht weiter schlimm gewesen wäre etwas länger an seinem aktuellen Wohnort zu bleiben, nur in dieser Situation wurde es zum Problem.

Weltweit Freunde die sich nicht kennen

Da er keine Familie mehr hatte, lag die Aufgabe ihm zu helfen wieder nach Deutschland zu kommen bei seinen vielen Freunden. Die Schwierigkeit, die jetzt auftrat, war, dass sich die Freunde untereinander nicht wirklich kannten und die Koordination extrem schwierig war. Schließlich gab es Gruppen von Freunden auf Gomera, in Deutschland, in Argentinien usw. Der einzige gemeinsame Punkt war er und er konnte momentan nicht helfen.

Freunde Überall auf der Welt

4 Wochen kein Fortschritt

Diese Situation bestand fÜr fast 4 Wochen, in denen er in der Klinik lag und einige Freunde versuchten ihm zu helfen. Sie sammelten etwas Geld und konnten erste Schritte einleiten. Aber das Problem war, dass sie keinen Zugriff auf die Ressourcen seines gesamten Freundeskreises hatten. Nach diesen 4 Wochen erreichte mich zum ersten Mal eine Email. Diese enthielt mittlerweile eine recht lange Liste von Leuten, die sie bereits empfangen hatten und wurde langsam durch den erweiterten Bekanntenkreis weitergeleitet. Was ich sofort tat, war ein simples Wiki mit Schreibrechten fÜr alle aufzusetzen, die Email einzufÜgen und die Adresse des Wikis an jede Emailadresse zu senden.

Wiki

In den ersten 48 Stunden wurde das Wiki fast 60mal geändert, als schrittweise neue Informationen eintrafen und jeder der Freunde, die sich untereinander nicht gut oder gar nicht kannten den Teil, den er wusste in das Wiki einstellte. Der Unterschied zu vorher war, dass es jetzt plötzlich ein zentrales Koordinationsmedium gab und wie einige Leute später auch gesagt haben ein noch stärkeres GefÜhl fÜr das gemeinsame Ziel: es entstand Community.

Wiki als Zentrum

20.000€ in 3 Tagen

3 Tage nachdem das Wiki online ging, waren mehr als 20.000€ an Spenden zugesagt und eine Woche später war er wieder in Deutschland. In diesen paar Tagen wurden Fotos online gestellt sowie ein Video und ich konnte beobachten wie die Zugriffe massiv stiegen. Sobald er wieder in Deutschland war, lief Über das Wiki zum Teil die Terminkoordination und Leute schrieben Berichte und GrÜße.

Es gibt mehrere faszinierende Geschichten, die fÜr mich daraus entstanden sind. Eine Geschichte Über den Wert von Freundschaft und Über Menschlichkeit, aber die andere, ist die mit dem Bezug zum normalen Thema dieses Blogs. Vor 10 Jahren wäre der gleiche Prozess nicht möglich gewesen. Das Wiki ermöglichte Koordination und Zusammenarbeit ohne zentrale Stelle. Nicht fÜr immer, ab einem gewissen Punkt gab es wieder einige Freunde, die die Koordination Übernahmen, aber fÜr den kurzen Moment, wo es anders nicht ging, gab es Über das Wiki eine neue Art der Zusammenarbeit. Die gleiche Art der Zusammenarbeit, die wir auch in Open Source Projekten und vielen anderen Dingen finden. Die Beteiligten waren zum Teil nicht sehr technikaffin, aber der Nutzen der Technologie war in diesem Fall einfach größer als der Widerstand sie zu nutzen.

Mein Teil davon war der Kleinste. Ich habe nur das Wiki online gestellt, geholfen haben viele Freunde Überall auf der Welt und viele Freunde helfen auch jetzt noch.

Share/Teilen

Geschrieben von Florian

13. August 2008 um 10:25

Abgelegt in Collaboration

Tags: , , ,

Abwägung – Was ist zentral fÜr den Erfolg von Web Projekten?

1 Kommentar

Jedes online Projekt besteht aus Myriaden kleiner Abwägungsentscheidungen. Sollte man die Seite mehr fÜr Zielgruppe A oder B entwickeln? Sind mehr Funktionen schon Feature Creep oder nicht?

Aber was ist die Skala? Welches sind die wichtigsten Faktoren?

Da das grundsätzliche Angebot bei jedem Projekt anders ist und die Anziehungskraft verschiedener Angebote verschieden ist, bleiben nur Faktoren wie SEO, alle andere Formen von Marketing, das Design, usw.

Aber was ist das Wichtigste?

Das wichtigste ist die User Experience und die Usability des Projektes.

Warum?

Weil der Erfolg jeder anderen Maßnahme dadurch definiert wird.

Wenn durch gute Suchmaschinenoptimierung 100.000 neue Nutzer auftauchen, aber immer nur 1% es schafft die Seite zu benutzen und durch einfache Veränderungen in der Usability 2% es schaffen werden, war die Suchmaschinenoptimierung doppelt so effektiv.

Trichter

Usability ist die letzte HÜrde vor der Conversion, alles andere sind relevante Faktoren, aber sie finden vor der HÜrde statt und durch die Höhe der HÜrde wird definiert wie erfolgreich sie Überhaupt sein können.

Viralität ist eines meiner Lieblingsthemen, aber selbst wenn ich ein Projekt habe, bei dem jeder User 200 neue User einlädt, aber diese es nicht benutzen können, ist das Projekt gescheitert.

Schlechte Usability hat auch einen erschreckenden Effekt auf den Willen der Nutzer sich weiter mit dem Projekt zu beschäftigen. Sie gibt ihnen ständig das GefÜhl „Du bist zu dumm“. Die Ausgangslage in die man die eigenen Nutzer bringt sollte aber nie „du bist dumm“ sein, sondern „you rock“.

Pilot in 3 Sekunden

Gutes Design kann sehr wichtig sein und kann auch die Usability eines Projektes verbessern, aber es ist viel einfacher erfolgreiche hässliche Seiten zu finden, die einfach nutzbar sind, als schöne erfolgreiche Seiten, die schwer zu nutzen sind.

Online ist Usability so extrem wichtig fÜr jedes Projekt weil die Konkurrenz so nah ist (ein Klick) die Lernbereitschaft so gering (gar keine) und die Zeit die man zum Ãœberzeugen hat aus Sekunden besteht.

3 Schritte zum Erfolg

1. Ein Überzeugendes Angebot
2. Es tatsächlich nutzbar machen
3. Der Rest

Partyservice Berlin

Share/Teilen

Geschrieben von Florian

8. Juli 2008 um 09:15

Abgelegt in Usability,User Experience,User Interface

Tags: