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Streetview, deutscher Datenschutz und wirtschaftliche Interessen

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In der aktuellen Diskussion Über die Zulässigkeit von Google Street View, geht esöffentlich hauptsächlich darum ob die Datenschutzrichtlinien eingehalten werden.

Die Diskussion ist, wenn es um das Entfernen von KFZ-Kennzeichen und Unkenntlich machen von Personen geht, sicherlich berechtigt. Eigenartig wird es wenn die Fotografie Höhe auf 1.80m beschränkt werden soll und Fotos von real existierenden Gebäuden und Autos plötzlich ein Datenschutzproblem darstellen. Da stößt man schnell an die Grenze zwischen Datenschutz und Innovationsbremse.

Neben deröffentlichen Diskussion, gibt es aber im Hintergrund handfeste wirtschaftliche Interessen und diese spielen bei der Art wie das Ganze diskutiert wird mit Sicherheit eine Rolle.

Streetview ist nach Maps der zweite große Angriff auf den Location based Anzeigen Markt, der nach Aussage von Eric Schmidt der größte Werbemarkt Überhaupt werden dÜrfte, Street View ist auch einer der ersten Layer die fÜr Augmented Reality Systeme zur VerfÜgung stehen, auch dies ist ein gigantischer Markt der sich schrittweise in den nächsten 10 Jahren entwickeln wird.

Als Beispiel sei hier Microsoft mit seiner Streetview Variante erwähnt, die auf der Ted Conference vorgestellt wurde:

Die politischen Interessen haben mehrere Stufen, zum Einen geht es darum, Google nicht noch einen Markt zu Überlassen. Hier entsteht sicher auch von Verlagsseite Druck, gerade lokale Medien dÜrften durch zukÜnftige Angebote noch mehr Werbereichweite verlieren. Dann ist der Bund immer noch der größte Anteilseigner der Telekom, die sich mit der Tochter DeTeMedien und den Telefonbuchverlagen in einer Art RÜckzugsgefecht um den lokalen Verzeichnismarkt befindet.
Die Telekom selbst dÜrfte mit T-Mobile ebenfalls an Kontrolle verlieren, wenn sich Google Street View durchsetzt, hier greift Google direkt den fast schon klassischen Content Versuch der Netzbetreiber (“wir wollen nicht nur Netzbetreiber sein”) an.
Weitere Interessen sind alle Navi Hersteller und unter anderem Nokia, denen Google durch ein Navi System mit Funktionen die sie selbst nicht anbieten können (z.B. im Audi A8) und durch eine marktverändernde Preisstruktur (0€) den Boden unter den FÜßen wegzieht.

Der letztendliche strategische Versuch fÜr Google dÜrfte sogar größer sein. Gelingt es Google der primäre Anspringpunkt fÜr fast alle lokalen Suchen und Funktionen zu sein, wird Google nicht nur auf der eigenen Plattform der größte lokale Werbevermarkter, sondern durch eine Art Gatekeeper Funktion (bezogen auf Werbetreibende) Über Adsense und die Doubleclick Vermarktung auch der zentrale Vermarkter fÜr lokale Werbeplätze auf allen anderen Plattformen.

Das legitimiert allerdings die politische Diskussion nicht, denn Google versucht diesen unternehmerischen Ansatz auf positive Art durchzusetzen mit echtem Mehrwert fÜr Kunden und User, die Gegenspieler versuchen ihre Marktposition zu sichern oder zu erweitern durch Restriktion.

So schwierig Google als Unternehmen mittlerweile ist, spielt sich hier wieder ein schonöfter gesehenes Drama ab, einfach aufgrund der Orientierung an einem offenen Netz, echter Innovation und erhöhtem Usernutzen ist Google “less evil” als der Rest.

Zitat Eric Schmidt:
“mobile will be a larger business than the PC-Web”

Handelsblatt:
Die Devise von Google heißt ab jetzt: „Mobile first“ ( via @lallerupp )

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Geschrieben von Florian

24. Februar 2010 um 11:19