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Florian Bailey über Social, User und Online Strategie

BÜrgerjournalismus auf die richtige Art

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Manchmal wird ein Gegensatz konstruiert wo es keinen gibt. Ein offenes System aus Bloggern kann fast nichts von dem leisten was eine klassische Redaktion leistet, aber eine Redaktion kann vieles von dem was ein offenes System leisten kann, nicht leisten.

Die Frage ist nie gewesen ob das Internet Journalisten ersetzen kann, die richtige Frage ist ob eine offene Struktur Redaktionen helfen kann, bzw. wie können die neuen Möglichkeiten uns zu einer neuen besseren Informationskultur fÜhren.

Herausforderungen des 21. Jahrhunderts fÜr Journalisten:

  • Mehr Wissenschaft, komplexere Themen, keine einfachen Antworten, jede Art von Wissen wird schnell obsolet
  • Leserschaft die mehr weiß, d.h. den nötigen Informationsvorsprung der fÜr interessante Berichterstattung nötig ist zu halten, wird schwieriger.
  • Alles wird schnell, sehr schnell. Aktuell zu berichten wird mit jedem Jahr schwieriger, offene Netzstrukturen sind schon jetzt schneller.
  • Journalisten nutzen die gleichen Informationsquellen wie ihre Leser, aber die Leser nutzen eventuell noch mehr Informationsquellen, d.h. der Informationsvorsprung wird noch kleiner

All diese Probleme hat ein offenes System nicht, in gewisser Weise sind diese Probleme Vorteile von offenen netzbasierten Kommunikationssystemen ( egal ob Wikis, Social Networks, News Aggreagatoren usw. ).
Aber die offenen Systeme können einen professionellen Journalisten der versucht eine neuen Blickpunkt oder einfach eine gute Zusammenfassung der bestehenden Fakten zu vermitteln nicht ersetzen. Aber sie können ihn ergänzen.


Was sueddeutsche.de falsch macht

Ein aktuelles Beispiel, sueddeutsche.de, mittlerweile eine Art Community der besten deutschen Tageszeitung, ein Artikel Über den Dalai Lama. Der Fehler im Artikel “der Dalai Lama Oberhaupt von 450 Millionen Buddhisten”, ok das ist Unsinn so viele Tibeter gibt es nicht, aber so etwas kann im Redaktionsalltag leicht passieren. Die Communityfunktionen von Sueddeutsche.de fÜhren nun dazu das dieser Fehler korrigiert wird vom User Intermedias dieser fÜhrt in den direkt unter dem Artikeln sichtbaren Kommentaren an:

“… der Dalai Lama, Oberhaupt von 450 Millionen Buddhisten” – das klingt schon fast so wie: “Horst Köhler, Staatspräsident der Europäischen Union”. Welches Volk bzw. welche buddhistische Religionsgemeinschaft der Dalai Lama repräsentiert, habe ich nicht erst am Gymnasium, sondern bereits auf der Hauptschule gelernt.

Ein wenig mehr Recherche und weniger Oberflächlichkeit stÜnde den verantwortlichen Redaktueren der SZ in dieser Hinsicht wahrlich gut zu Gesicht.

Der User hat recht, suddeutsche.de hat unrecht, aber im Gegensatz zu einer News Seite in Form von Wikinews wo die Verbesserung quasi den Gesamtartikel verbessert hätte, hat der Kommentar des Nutzers hier das Wissen der Redaktion in Frage gestellt – ohne Informationsmehrwert zu schaffen. Der normale Leser weiß jetzt trotzdem nicht warum der Satz falsch war und muss sich an anderer Stelle informieren.

Wer ist der Verlierer ? Sueddeutsche.de und der normale Leser, dessen Vertrauen in klassische Medien weiter untergraben wird, dem sich aber kein Ersatz dafÜr bietet.

Was wäre passiert wenn die Redaktion vor der Veröffentlichung im normalen Teil, die Möglichkeiten eines halboffenen Systems genutzt hätte und im Beta Bereich den Entwurf des Artikels veröffentlicht hätte ? Der Beta Bereich, der in KÜrze veröffentlichten Artikel, wird normalerweise nur von Heavy Usern genutzt ( also z.B. von mir) , diese wiederum hätten sofort angemerkt, “das mit dem Oberhaupt ist Unsinn, siehe Link…” . Der Artikel wäre vor Veröffentlichung korrigiert worden der normale User wäre besser informiert worden, sein Vertrauen in die Redaktion der SZ gleich geblieben.

Die Zukunft

Das System das ich hier anfÜhre ist nur ein Beispiel, sicher lassen sich bessere Systeme finden, aber das ist die Chance der aktuellen Debatte, es geht darum die bestehenden Experten Systeme ( Redaktionen ) zu ergänzen, nicht sie zu ersetzen. Und es geht darum sie zu verbessern, beide Vorteile in ein System zu integrieren, zum Nutzen des Users.
Das Beta System hätte in einer Redaktion von der Größe der SZ wahrscheinlich auch funktioniert wenn nur Redakteure und freie Mitarbeiter Zugriff hätten, auch dort wäre der Fehler sofort korrigiert worden. Man braucht nicht in jeder Situation komplett offene Systeme um den Informationsfluss zu verbessern.

Offene Systeme sind schneller wenn es um das finden von Informationen geht oder um einfaches Fact Checking. Redaktionen produzieren bessere Artikel, beides ergänzt sich wunderbar, wenn es in einem System zusammenfließt.

Geschrieben von Florian

22. Juli 2007 um 14:01

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Web 2.0 Namen

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Namen sind wichtig, im Internet sogar sehr wichtig. Falsche Namen kosten User, ein Beispiel Partnr. Eigentlich eine gute Seite ( abgesehen vom Schriftkontrast) , mit einem guten Konzept und ich bin sicher eine gewisse Nutzerzahl werden sie kriegen. Aber …

“Schatz meld dich da mal an hab dir einen Link geschickt ich muss das testen”
“Was soll das sein Part Nr ? Teile Nummer? Da melde ich mich bestimmt nicht an.” .

So schnell sind die User wieder weg.

Geschrieben von Florian

21. Juli 2007 um 13:54

Wieviele Social Networks braucht ein Mensch ? Teil 2

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Ein guter Einwand von Andreas Reiffen:

Ich empfinde die immer größere Zahl sozialer (Nischen-) Netzwerke eher als Belastung. Man läuft Gefahr, sich einer Art Gruppenzwang geschlagen zu geben und in immer mehr Netzwerken mitzumischen. Sich in mehr als 3 Netzwerken wirklich aktiv zu beteiligen kostet einfach extrem viel Zeit, die man vielleicht lieber denjenigen widmen sollte, die einem im richtigen Leben nahe stehen. Die Web 1.0 Zeiten, in denen man noch passiver Beobachter war, waren da manchmal etwas entspannter.

Ich verstehe den Gedanken und das Problem dahinter, tatsächlich sehe ich das sogar als großes Problem fÜr viele Arten von Netzwerken.

Wenn ich bereits Mitglied in vielen Netzwerken bin steigt fÜr mich der Widerstand in einem weiteren Mitglied zu werden. Der Fokus darf also nicht auf “Wir sind die Ruder Community” gelegt werden. Wenn ich mir denke “ah eine Ruder Community”, denke ich mir “oh Gott noch eine”.
Der Fokus von der gesamten Konzeption und User Experience muss auf einen tatsächlichen Mehrwert den ich bei Bedarf abrufen kann ausgerichtet sein.
Reine Vernetzung mit anderen Menschen die rudern hat keinen Wert fÜr mich, es muss ein contentbasierter Mehrwert da sein. User generated Content ist nur dann richtig wertvoll wenn es tatsächlicher Content mit Wert fÜr die Nische ist. Eine Art menschlich generierter Suchmaschinenspam “Alice du bist ja heiss, schick mir mal ne IM, ich ruder Übringens auch” hat wenig Wert fÜr eine kleine spezialisierte Community. Eine Funktionalität in der ich meine Ruderkilometer automatisiert ( z.B. GPS + Java App Handy ) tracken kann und gleichzeitig mit den Trainingsmethoden anderer vergleichen kann schafft Mehrwert und tatsächlichen fÜr die Nische relevanten Content.

Es ist das Last.FM Prinzip, natÜrlich geht es um das Sammeln von Daten und z.B. den Abgleich von User Profilen aber ohne das ich es merke. Communities werden Zusatzfunktionalität brauchen die an der Nische ausgerichtet ist.

FÜr den User ergibt sich dadurch auch eine Entspannung im Nutzungsszenario anders als Myspace oder StudiVZ gibt es kein “du musst jetzt mitmachen und irgendwie sozial sein” sondern ein “Ich nutze es wenn ich es brauche, ansonsten ignoriere ich es”.

Beispiele fÜr diese Art Nutzung in meiner Liste:
Xing ( wobei ich da eigentlich noch ein Forum betreibe fÜr das ich aber keine Zeit habe ) ,
Reiseseiten, Fotos, Last.FM ( das beste Beispiel eigentlich nutze ich es ununterbrochen aber ich merke es nicht ), Rezepte ( nur wenn ich nach etwas bestimmten Suche oder etwas bestimmtes gekocht habe und es veröffentliche will ), Events, Einladungen, Ebay, Amazon.

Die Schwierigkeit dabei ist das die Community den Nutzen fÜr mich so hoch gestalten muss das ich wirklich wiederkomme wenn ich gerade wieder Interesse habe, außerdem muss die HÜrde am Anfang so niedrig wie irgend möglich sein.

Eine wichtige Grundregel daraus:
Anmeldung = Username + Emailadresse .

Tönungsfolie Experten das Blog

Geschrieben von Florian

20. Juli 2007 um 11:47

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Wieviele Social Networks braucht ein Mensch ?

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15 – 20 mindestens, ob mehr oder weniger hängt von den Interessen des Users ab.
In manchen dieser Fälle kann ein Netzwerk auch mehrere Funktionen Übernehmen, in anderen fällen ist das quasi unmöglich, die folgende Liste ist nicht repräsentativ sondern soll einfach mal mein Nutzerverhalten beschreiben.

Fotos:
Ein Social Network in dem ich meine Fotos hochladen kann und das als Webapp gleichzeitig alle meine Digitalfotos sichert – kann sogar kostenpflichtig sein wenn die Fotos dafÜr sicher sind ( Übrigens eine enorme Marktnische viele Leute haben zuhause Digitalfoto Backup Panik, ich werde ständig darauf angesprochen )

Familie:
Mit meiner Familie in Kontakt zu bleiben fällt mir manchmal schwer, ich vergesse anzurufen und verlege z.B. die Handynummer meines Cousins. Es gibt also Platz fÜr ein Netzwerk in diesem Raum. Allerdings ist es wahrscheinlicher das ich diese Funktionen hauptsächlich in den verschiedenen anderen Netzwerken finde ( mein Cousin macht sozusagen auch Fotos ).
Musik:
Ob ich will oder nicht Last.FM ist mein Radio, meine Quelle fÜr neue Musik und das Social Network das ich stärksten nutze, obwohl ich noch nie einem anderen User eine Nachricht gesendet habe.

Rezepte:
Ich koche leidenschaftlich gerne, gäbe es ein Social Network das mich zu 100% Überzeugt wäre ich dort Mitglied, vorstellbar ist das z.B. Slow Food irgendwann ein Netzwerk aufbaut, dann wäre ich dort Mitglied.

Reisen:
Gelegentlich brauche ich Reisetipps, hier wäre es gut möglich in bis zu drei Netzwerken Mitglied zu sein je nach Reiseziel. Ein schönes neues ist Globalzoo

Events:
Spezialevents wie z.B. das Barcamp Köln, bekommen so oder so ihre eigenen Netzwerke, da das deutlichen Mehrwert bietet bin ich dort Mitglied.

Einladungen:
Ein Einladungservice auf dem die Eingeladenen Profile anlegen können, letztendlich wieder eine Mischung aus Webapp und Social Network, nutze Amiando sehr intensiv, der Zusatznutzen ist so groß das etwa 20% der Leute die ich darÜber einlade sofort anfangen ebenfalls Events auf die gleiche Art zu managen.

Businesskontakte:
Xing ist essentiell, haben sich die 200€ die ich Ihnen bis jetzt gezahlt habe gelohnt ? Ja.
Wenn Linkedin in Deutschland relevanter wird werde ich auch das nutzen mÜssen, das ist Business kann man
sich nicht aussuchen. In eventuellen Netzwerken von Branchenverbänden mÜsste ich wahrscheinlich auch Mitglied sein.

In Kontakt bleiben:
Studivz hat da eine relativ unangefochtene Stellung. Ein lokales Netzwerk könnte es noch ergänzen.

Sport:
Ein gutes Social Network zum Thema Rudern könnte mich als Mitglied zählen

Ebay:
Da sie sich so entwickeln werde ich wohl zwangsweise im Ebay Netzwerk Mitglied sein.

Amazon:
siehe Ebay

Themenspezifisches Netzwerk:
Bis jetzt gibt es keines das mich zu 100% antreibt, aber frÜher oder später ist das unausweichlich,
ein Beispiel wäre das Netzwerk auf der Seite der TED Conference hätte mich vor ein paar Wochen schon fast angemeldet

Kommunikation:
Ist Skype ein Social Network ? Twitter ? usw. usw .

Das Gerede von einer Blase ist irreal und faktisch nicht richtig. Es hängt davon ab was man von einem Network erwartet. 250 Millionen Euro wert ? Ja manches ist deutlich Überbewertet. Aber in vielen Nischen lassen sich Networks auch mit 3 Leuten und 5000 Mitgliedern erfolgreich betreiben, dazu braucht man nichtmal eine Bewertung sondern nur ausreichende mtl. Einnahmen. Wenn das Ziel ein Überbewertet Exit ist dann wird es schwieriger, geht es um ein tragfähiges kleines bis mittleres Business wird es mit jedem Tag einfacher.

Geschrieben von Florian

20. Juli 2007 um 08:55