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Florian Bailey über Social, User und Online Strategie

Streetview, deutscher Datenschutz und wirtschaftliche Interessen

3 Kommentare

In der aktuellen Diskussion Über die Zulässigkeit von Google Street View, geht esöffentlich hauptsächlich darum ob die Datenschutzrichtlinien eingehalten werden.

Die Diskussion ist, wenn es um das Entfernen von KFZ-Kennzeichen und Unkenntlich machen von Personen geht, sicherlich berechtigt. Eigenartig wird es wenn die Fotografie Höhe auf 1.80m beschränkt werden soll und Fotos von real existierenden Gebäuden und Autos plötzlich ein Datenschutzproblem darstellen. Da stößt man schnell an die Grenze zwischen Datenschutz und Innovationsbremse.

Neben deröffentlichen Diskussion, gibt es aber im Hintergrund handfeste wirtschaftliche Interessen und diese spielen bei der Art wie das Ganze diskutiert wird mit Sicherheit eine Rolle.

Streetview ist nach Maps der zweite große Angriff auf den Location based Anzeigen Markt, der nach Aussage von Eric Schmidt der größte Werbemarkt Überhaupt werden dÜrfte, Street View ist auch einer der ersten Layer die fÜr Augmented Reality Systeme zur VerfÜgung stehen, auch dies ist ein gigantischer Markt der sich schrittweise in den nächsten 10 Jahren entwickeln wird.

Als Beispiel sei hier Microsoft mit seiner Streetview Variante erwähnt, die auf der Ted Conference vorgestellt wurde:

Die politischen Interessen haben mehrere Stufen, zum Einen geht es darum, Google nicht noch einen Markt zu Überlassen. Hier entsteht sicher auch von Verlagsseite Druck, gerade lokale Medien dÜrften durch zukÜnftige Angebote noch mehr Werbereichweite verlieren. Dann ist der Bund immer noch der größte Anteilseigner der Telekom, die sich mit der Tochter DeTeMedien und den Telefonbuchverlagen in einer Art RÜckzugsgefecht um den lokalen Verzeichnismarkt befindet.
Die Telekom selbst dÜrfte mit T-Mobile ebenfalls an Kontrolle verlieren, wenn sich Google Street View durchsetzt, hier greift Google direkt den fast schon klassischen Content Versuch der Netzbetreiber (“wir wollen nicht nur Netzbetreiber sein”) an.
Weitere Interessen sind alle Navi Hersteller und unter anderem Nokia, denen Google durch ein Navi System mit Funktionen die sie selbst nicht anbieten können (z.B. im Audi A8) und durch eine marktverändernde Preisstruktur (0€) den Boden unter den FÜßen wegzieht.

Der letztendliche strategische Versuch fÜr Google dÜrfte sogar größer sein. Gelingt es Google der primäre Anspringpunkt fÜr fast alle lokalen Suchen und Funktionen zu sein, wird Google nicht nur auf der eigenen Plattform der größte lokale Werbevermarkter, sondern durch eine Art Gatekeeper Funktion (bezogen auf Werbetreibende) Über Adsense und die Doubleclick Vermarktung auch der zentrale Vermarkter fÜr lokale Werbeplätze auf allen anderen Plattformen.

Das legitimiert allerdings die politische Diskussion nicht, denn Google versucht diesen unternehmerischen Ansatz auf positive Art durchzusetzen mit echtem Mehrwert fÜr Kunden und User, die Gegenspieler versuchen ihre Marktposition zu sichern oder zu erweitern durch Restriktion.

So schwierig Google als Unternehmen mittlerweile ist, spielt sich hier wieder ein schonöfter gesehenes Drama ab, einfach aufgrund der Orientierung an einem offenen Netz, echter Innovation und erhöhtem Usernutzen ist Google “less evil” als der Rest.

Zitat Eric Schmidt:
“mobile will be a larger business than the PC-Web”

Handelsblatt:
Die Devise von Google heißt ab jetzt: „Mobile first“ ( via @lallerupp )

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Geschrieben von Florian

24. Februar 2010 um 11:19

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3 Kommentare zu “Streetview, deutscher Datenschutz und wirtschaftliche Interessen”

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  1. buetts

    24. Feb 10 um 13:06

    Volle Zustimmung.
    Wir sind lokaler Dienstleister und profitieren massiv von Adwords, Maps und jeglicher organischer Suche. Unsere Kunden ebenso.

    Die jährliche Verhandlung mit dem Telefonbuchverlag der fÜr unsere Branche leider immer noch wichtig ist, ist immer ein Aderlass. Argumente haben die schon lange nicht mehr. Der ROI ist grausig. Wir wissen wer fÜr uns “evil” ist. Ich peinige den Herren jedes Jahr aus purem Sadismus mit der Frage nach einer Preisliste die es natÜrlich nicht gibt bei DrÜckern und Statistiken die er nicht hat. Er hat nur die Anzeige des Mitbewerbers zwei Häuser weiter zu bieten von dem er gerade kommt.

    Diese ganze Debatte Über Streetview in DE stinkt zum Himmel.
    Selbst Nachrichtenquellen die ich normalerweise als seriös schätze kommen mit absurden Szenarien wie “… kann es durchaus bald weltweit Livebilder geben” und dergleichen. Das alles ist auffallend emotional aufgeblasen und wirkt wie von oben ferngesteuert.
    Dein Post bestätigt mir das nur noch.
    Kann man nicht eine Onlinepetition fÜr Streetview machen?
    Ich wär dabei.

    buetts

  2. Marc

    17. Aug 10 um 11:34

    Wer auf diese, dem medialen Sommerloch entrissene, Phobie aufsteigt, zeigt nur seine mangelnde Sachkenntnis dem Informationszeitalter gegenÜber.
    Nächste Haltestation: BÜcherverbrennung
    Alles Neue und Unverständliche macht immer einigen Evolutionsbremsen angst.
    Da kommen sie aus ihren Höhlen gekrochen und befÜrchten den Raub ihrer Seelen durch die Ablichtung derselben.
    Es gibt nun mal einenöffentlichen Raum, durch den seit 200 Jahren Menschen mit Fotoapparaten streifen.
    Kaum jeher hat jemand Anstoß gefunden, nein sogar Gefreut hat man sich sein Antlitz der Welt und der Zukunft zu zeigen. Welch wissenschaftlicher Schatz wurde in dieser Zeit zusammengeknipst.
    Aber da hat man wohl die Rechnung ohne die deutsche Nachkriegsabneigung eines Ãœberwachungsstaates und der Saison bedingten Langeweile der Medien gemacht.
    Liebe MitbÜrger, es gibt Staaten und Globale Firmen.
    Globale Firmen enthalten mehr Demokratie als alle staatlichen Demokratien zusammen.
    Ins besondere wenn sie bei der Erstellung ihrer Produkte auf die Mitthilfe ihrer Kunden angewiesen sind.
    Die wollen uns nicht ärgern, ausspionieren oder berauben…
    Google ist ein sich selbst finanzierendes Forschungslabor.
    Es erforscht fÜr die ganze Welt die grandiosen Möglichkeiten des Informationszeitalters.
    Google Earth ist ein sich demokratisch selbst schreibendes Geschichtsbuch an dem wir alle mitschreiben dÜrfen.
    Es wird eine detailgenaue, erlebbare Geschichte kreiert die unendlich viele Internet-Archäologen, Soziologen, Ethnologen, Statistiker, Schriftsteller, Maler, Historiker, Humoristen und Regisseure glÜcklich machen wird.
    Die meisten BÜcher die geschrieben wurden und werden sind schlecht, einseitig, falsch oder gar menschenverachtend.
    Die meisten Filme und TV Programme sind schlecht, einseitig, falsch oder gar menschenverachtend.
    Die meisten Inhalte des Internets sind schlecht, einseitig, falsch oder gar menschenverachtend.
    Trotzdem haben alle Informationstechnologien zu mehr Wissen, Ãœberblick und Verständnis Über das Geschehen auf der Welt gefÜhrt.
    Man muss sie nur lassen.
    Außerdem ist es sehr nÜtzlich eine virtuelle Welt in der Schublade zu haben,
    falls die Echte mal kaputt geht…

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