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Florian Bailey über Social, User und Online Strategie

Wikipedia und die Wahrnehmung der User

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Ich habe, nach einigen Gesprächen am Barcamp Frankfurt, versucht die Probleme und insbesondere dasöffentliche Feedback die die Wikipedia immer wieder durch fehlerhafte Artikel bekommt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Die konservative Meinung die häufig vertreten wird, besagt das die Wikipedia eine Enzyklopädie ist und Enzyklopädien dÜrfen keine Fehler haben. Das ist natÜrlich in jeder Enzyklopädie unmöglich.
Die kritische Frage ist aber weniger, ob Wikipedia fehlerhaft ist sondern, ob Wikipedia im Sinne der Nutzer Überhaupt eine Enzyklopädie ist. Ich, Fan und Gelegenheitseditor, und die meisten Wikipedianer wÜrden hier aufhorchen und antworten “Aber selbstverständlich ist die Wikipedia eine Enzyklopädie und sie wird immer besser! Sie hat immer weniger Fehler !”

Falsche Erwartungen

Die Schwierigkeit liegt aber darin das der User eine andere Erwartung an eine Enzyklopädie hat, sie verändert sich nicht, sie verbessert sich nicht, letztendlich ist sie ein statisches Gebilde. Aus Sicht des Users kann er zu jeder Zeit einen Artikel Über den kanadischen Senat nachschlagen und wird dort immer die gleichen Informationen vorfinden.

User + Enzyklopädie = ewige unveränderliche Wahrheit

Die Wikipedia kann diesen Erwartungen niemals entsprechen, es sei denn sie fÜhrt Kontrollmechanismen fÜr Artikel ein und definiert dadurch einen relativ statischen Zustand jedes Artikels.
Das ist natÜrlich letztendlich gefährlich, da es die Bearbeitungsprozesse und das Wiki Grundprinzip leicht so stark einschränken kann das der gesamte Prozess nicht mehr funktioniert.

Statischer ZustandDie Erwartung verändern

Der richtige Weg ist also die Erwartung des User an die Wikipedia und das Nutzungsverhalten zu verändern, der User muss sich bewusst sein das er sich auf einer wandelbaren Seite befindet, die ständig bearbeitet, geändert und verbessert wird. Dann ist er sich auch bewusst, dass sie sich nicht bei jeder Änderung immer verbessert.

Momentan betritt der User die Wikipedia und gewinnt im besten Fall den Eindruck einer perfekten Enzyklopädie, klare Bilder, schwarzer Text, viel Text, viele VerknÜpfungen.
Das einzige was Ihn auf die ständige Bewegung hinweist sind zwei kleine Buttons ganz oben, “Versionen” und “Bearbeiten”, und einige rote Links die zu Artikeln fÜhren die noch geschrieben werden mÜssen. Das ganze könnte in der gleichen Form im Brockhaus zu finden oder auf einer Schriftrolle abgedruckt sein. Die Seriositätsfalle schnappt gewissermaßen zu.

Meiner Meinung nach sollte dem User schon im ersten Moment auffallen, dass dies keine statische
Enzyklopädie ist, er sollte bemerken, dass es unterschiedliche Versionen gibt und eine offene Enzyklopädie nicht in jeder Sekunde einen Anspruch auf absolute Wahrheit erhebt oder erheben kann.

Eine Möglichkeit dies stärker bewusst zu machen wäre eine Betonung des Versions und des Bearbeiten Links. Interessanter und auffälliger wäre es allerdings die Änderungen und Versionen im Text sichtbar zu machen. Das heißt der User bekommt einen Text indem die Teile die z.B. in den letzten 24 Stunden geändert wurden markiert sind, es werden sofort Links zur vorherigen Version angeboten und der User ist gezwungen die angebotenen Informationen wesentlich kritischer zu betrachten. Tatsächlich wäre dies eine Art Schulung in kritischem Denken bei Online Quellen, vielleicht letztendlich ganz hilfreich fÜr mehr als nur die Wikipedia.

Die tatsächliche Gestaltung und was tatsächlich markiert wird, mÜsste man anhand der Änderungsprotokolle definieren, eine 24 Stunden Markierung wäre aber wahrscheinlich ein nÜtzlicher Anfang.
Noch eleganter ist natÜrlich eine Markierung die mit der Zeit verschwindet z.B. ein greller Rotton der schrittweise innerhalb von 36 – 48 Stunden verblasst.
5 Minuten

24 Stunden

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Geschrieben von Florian

25. April 2007 um 10:09

Abgelegt in User Experience

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